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Nicht hier, drüben!
Friday, 24. Aug 2007 – 10:05
links for 2007-08-23
Thursday, 23. Aug 2007 – 03:22
Nazis gibt es doch gar nicht
Monday, 20. Aug 2007 – 16:50
Mügeln ist wieder ein Ort mehr, der auf der Suche nach deutschen Neonazis von der Liste gestrichen werden muss. Die gibt’s da nicht, beruhigt der Bürgermeister: “Ich muss das eigentlich verneinen. Die Kleinstadt Mügeln mit 5000 Einwohnern, wo sich eigentlich jeder kennt - es ist nicht bekannt, dass es hier rechtsextreme Gruppierungen gibt.”
Mehrere Inder wurden gerade durch die nazifreie Stadt getrieben und angegriffen. Und wenn das ganze unter dem Schlachtruf “Hier regiert der nationale Widerstand” stattfindet, kann man wirklich beruhigt sein. Denn das klingt so gar nicht nach Nazis, die hätten eher aus “Deutschland - Ein Wintermärchen” oder “Als Hitler das rosa Kaninchen stahl” vorgelesen.
Überhaupt kommt dieser multikulturelle Abend etwas arg negativ weg. Das heißt es bei SPON lapidar “Die Angreifer traten die Tür der Gaststätte ein. Rund 70 Polizeibeamte drängten die Angreifer dann ab. Bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen wurden acht Inder und vier Deutsche verletzt. Zahlreiche Schaulustige hatten sich den Überfall mit angesehen, ohne den Verfolgten zu helfen.” Aber dass die Schaulustigen auch den Verfolgern nicht halfen, wird nicht erwähnt. So kann man natürlich alles schlecht schreiben.
Außerdem ist doch Fakt, was der Bürgermeister sagt: “Der Alkohol hat um diese Zeit eine Rolle gespielt - und außerdem war plötzlich mal was los.” Und weil man weiß, dass der Alkohol noch aus jedem einen Nazi gemacht hat, und halt auch nix los war, gibt es auch keinen Grund, wegen diesem etwas wüsten Spaß so ein mediales Geschrei zu veranstalten. Heut sind doch wieder alle nüchtern.
Wem die Stunde (auf den Hinterkopf) schlägt
Monday, 20. Aug 2007 – 12:16
Die Bürger Venezuelas müssen künftig wohl früher aufstehen: Präsident Hugo Chávez plant, die Uhren in seinem Land eine halbe Stunde vorzustellen. Die Umstellung soll den Stoffwechsel ankurbeln und damit der Arbeitskraft zugute kommen.Caracas - Das ganze Land solle früher auf die Beine kommen, wünscht sich der Präsident. Es gehe bei der Maßnahme um die Auswirkungen auf den Stoffwechsel, erläuterte Staatschef Hugo Chavez in einer siebenstündigen Sendung seiner Fernsehshow “Hallo Präsident”. Das menschliche Gehirn werde durch Sonnenlicht beeinflusst.
Dieses Eindrucks kann man sich tatsächlich nur schwer erwehren. Da war wohl jemand zu lange an der Sonne. Und wenn er demnächst versucht, die Sonne gleich direkt auf sieben Uhr morgens zu stellen, wissen wir, daß er dabei auch zu lange NDW gehört hat. Aber selbst wenn nicht, die diesbezüglich ohnehin schon beeindruckende Geschichte des Sozialismus ist hiermit jedenfalls wieder um eine ulkige Idee zur Produktionssteigerung reicher. Und die europäischen Chavez-Fans stehen wieder ein kleines bißchen dümmer da. Mal sehen, wie lange sie sich die Albernheiten ihres Vorzeigeclowns noch unwidersprochen gefallen lassen. Obwohl, wenn Lafontaine demnächst an der Atomuhr rumspielt, überrascht mich das auch nicht mehr.
In der TV-Sendung griff Chavez zudem die USA scharf an. Er warf der Regierung Bush vor, in den Streitkräften seines Landes Verschwörer für einen Putsch anwerben zu wollen. Damit solle eine von ihm in der vergangenen Woche vorgestellte Verfassungsreform unterlaufen werden. “Die Verschwörung hat bereits begonnen”, sagte Chavez in seiner wöchentlichen Sendung. “Die Botschaften zirkulieren in den Kasernen. Die Hand (des US-Geheimdienstes) CIA, das Imperium, steckt dahinter. Sie versuchen einen Putsch.”
Wozu denn noch putschen? Nach Chavez’ neuestem Geniestreich muß sich die NSA ja nur noch in die venezolanischen Zeitserver einhacken und die Uhren dort auf Mitternacht stellen. Denn nach dieser konsequenten Weiterentwicklung marxistisch-leninistischen Denkens zum zeitgesteuerten Sozialismus dürfte die venezolanische Wirtschaft dann eigentlich binnen Tagen krachend zusammenbrechen. Und Chavez müßte hoffen, nicht von den empörten Landsleuten an der nächsten Kirchturmuhr aufgeknüpft zu werden. Das kommt eben davon, wenn man selber nicht mehr richtig tickt und zur eigenen Kalibrierung den Kopf in eine laufende Standuhr steckt, nur weil man meint, der eigene Dickschädel sei stärker als ein gußeisernes Pendel.
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Kein schwarzer Freitag
Saturday, 18. Aug 2007 – 15:06
kündigt sich trotz vieler Auguren der weltweiten „Finanzkrise“ an, die wie der BaFin-Aufseher Sanio schon bei den Liquiditätsschwierigkeiten der IKB von der Gefahr der schlimmsten Katastrophe seit 60 Jahren gewarnt hatte.
Wer das als „Marktversagen“ kennzeichnet, weiß nicht, was ein Markt ist. Und im Bezug auf die Kapitalmärkte ignoriert er, dass Schwankungen in Angebot und Nachfrage allgegenwärtig sind und sich fast turnusmäßig wiederholen. Für unsere Freunde von ntv und n24 hat das natürlich sein Gutes, sie können trotz Sommerloch und 15 Grad im August Sondersendungen fahren und a Read More
Höchst unbequem
Saturday, 18. Aug 2007 – 13:38
Die korporative Sprache ist manchmal verräterisch. Ich schätze Ralf Dahrendorf und lese seine Texte gerne. Konkrete Politik hier und jetzt allerdings - kann man sie vom Elfenbeinturm heraus planen und durchführen? Der heutige Text in der NZZ (Link) lässt mich wieder daran zweifeln:
Dahinter versteckt sich eine für Liberale höchst unbequeme Tatsache der Bekämpfung des Terrorismus.
Was ist unbequem also? Die neue Situation, mit dem Terrorismus im Herzen Europas? Oder die Notwendigkeit, ihn zu bekämpfen? Warum nur für Liberale?
Die Verhinderung von Terroranschlägen in London ist durch die Videoüberwachung erleichtert, ja überhaupt erst möglich geworden.
Bis jetzt habe ich etwas anderes gelesen, nämlich, dass die Videoüberwachung nur zur Untersuchung beiträgt, nicht zur Verhinderung. Weiß seine Lordschaft mehr als wir, die Sterblichen?
Tatsächlich ist ein starker, aber zugleich schlanker Staat der notwendige institutionelle Rahmen der offenen Gesellschaft.
Wow, gibt es ein Beispiel davon, ich meine, in der Realität? Zuletzt noch eine, ehrlich gesagt rhetorische Frage: Warum erscheint der auf britische Verhältnisse zugenähte Text in der NZZ? Sind die Schweizer so brennend daran interessiert zu erfahren, wofür seine Lordschaft im britischen Oberhaus seine alles entscheidende Stimme abgibt?
Unfreiwillige Politsatiren
Saturday, 18. Aug 2007 – 11:41
Ein neuer Wind bei der “Netzeitung” (Link)? Einfach nur geil. Klaus Ungerer! Bitte mehr davon!
Es gab keinen ausgeprägten Antisemitismus
Saturday, 18. Aug 2007 – 10:26
In der “Welt” von heute lese ich eine informative Vorstellung des neuen Buchs über die Geschichte des Berliner Philharmonischen Orchesters in der Nazizeit (Link). Wolf Lepenies sieht die Leistung des Authors Misha Aster (selbstverständlich eines Kanadiers, für deutsche Historiker ist das Thema uninteressant) wohlwollend positiv und beschließt den Artikel wie folgt:
Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus - eine aufregende Geschichte. Aufregend in dem Sinn, dass das Verhalten des weltberühmten Orchesters sich vom Verhalten der meisten Deutschen nicht unterschied. Es gab keinen Widerstand gegen das Regime - aber auch keinen Enthusiasmus für die Partei und ihre Führung. Es gab keinen ausgeprägten Antisemitismus - aber auch keinen Versuch, sich gegen den Rassenwahn aufzulehnen. Dass sich der eigene musikalische Geschmack von dem der Nazis kaum unterschied, half bei der Aufrechterhaltung eines ziemlich guten Gewissens. Die Leiden und Entbehrungen der letzten Kriegsjahre dämpften ein Schuldgefühl, das ansonsten die Kraft zum Weiterleben und zum musikalischen Wiederaufbau gemindert hätte.
Ich würde sagen, gerade hier wird es erst recht aufregend. Es gab also “keinen Enthusiasmus” für die Nazis, das Land wurde von diesen regelrecht überfallen. Achso! Und es gab auch “keinen ausgeprägten Antisemitismus”, der wurde offensichtlich auch per Befehl eingeführt. Den letzten Satz im Zitat soll ein anderer, zum Beispiel Jaspers, kommentieren, das ist mir etwas zu metaphysisch.
Die freiwillige Pflicht am Staate
Saturday, 18. Aug 2007 – 10:13
Die im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht steht schon seit einiger Zeit in der Kritik. Die Gegner dieser ziehen zumeist mit der Argumentation zu Felde, eine “Wehrgerechtigkeit“ sei schon lange nicht mehr gegeben, da nicht mehr alle in Frage kommenden Männer eingezogen würden, die Befürworter kontern regelmäßig mit der Feststellung, die Wehrpflicht sei notwendig, da ohne sie auch der Zivildienst falle und dann nicht mehr genug Personal für Kranken- und Pflegestationen verfügbar sei. Sehr wenige sind bislang auf die Frage gekommen, woher der Staat überhaupt das Recht nimmt, jungen Männern einen Teil ihres Lebens zu stehlen und sie für den Dienst an einer halluzinierten „Gemeinschaft“ zu verpflichten. Noch weniger haben darauf hingewiesen, dass schon allein der Begriff „Wehrgerechtigkeit“ eine Absurdität darstellt, wenn man von einer Dienstpflicht am Staate ausgeht, die alleine Männern auferlegt wird; eine geschlechtsspezifische Diskriminierung, welche im Grundgesetz verankert ist und der auch das unsinnige Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nichts entgegenzusetzen hat. Read More